Die Geschichte vom Whisky    

   

   

 

 Es gibt eine Erzählung, in der der heilige Patrick, der Nationalheilige der Iren, als 

 Entdecker des Whiskies benannt wird. Er soll der der Legende nach aus Frankreich

 die Kunst der Destillation nach Irland gebracht haben. Die Schotten erfuhren

 möglicherweise von dem Herstellungsverfahren des "aqua vitae", als eine Gruppe

 irischer Mönche um 500 n. Chr in Schottland zu Besuch war. Diese Geschichte wird

 natürlich von den Iren sehr verfochten. Eine andere Story sieht den Waliser Reauilt

 Hir als Urvater des Whiskies, der um 356 n. Chr. in Wales den ersten Branntwein

 hergestellt haben soll. Manche Historiker glauben sogar, dass bereits die Chinesen

 oder die alten Ägypter alkoholhaltige Getränke gebrannt haben. Bei allen

 Auseinandersetzungen sind sich Iren, Waliser und Schotten aber einig: Der Whisky

 kann nur auf den britischen Inseln seinen Ursprung haben. Als Beweis führen sie ins

 Feld, dass alles mit dem gälischen Wort „uisge beatha“ („Wasser des Lebens“, das

 lateinische "aqua vitae"), gesprochen etwa „uischke ba“ oder "ischke ba“, begann.

 Aus „Uischke“ wurde „Uiske“ oder „Uiski“, und schon hat das Kind einen

 Namen: Whisky!

 

 

 

 Das erste Dokument, das die Existenz von Whisky belegt, besitzen die Schotten. Es  

 sind die „Exchequer Rolls“ von 1494. In diesen urkundlichen Aufzeichnungen der

 Finanzbehörden wird von einem Klosterbruder des Benediktinerordens in der

 Lindores Abbey (Grafschaft Fife) gesprochen. In der Urkunde wird erwähnt, „dass

 Bruder John Cor acht Boll Gerstenmalz bekam um aqua vitae herzustellen“. Dies

 war am 24. August 1494 und geschah im Auftrag des Königs James IV, der als

 beliebtester König des Hauses Stuart galt und eine Vorliebe für aqua vitae (dem

 gälischen uisge beatha) hatte. Aus den "acht Boll Gerstenmalz", etwa 870 kg,

 wurden wohl rund 1.200 Flaschen aqua vitae, die der König in Empfang nehmen

 konnte.


 

 Im Jahre 1644 beschließt das schottische Parlament, eine Alkoholsteuer zu

 erheben, damit König Charles I den Krieg gegen England finanzieren konnte. Das

 leistete natürlich der Schwarzbrennerei Vorschub. Die Schwarzbrenner wurden 

 von Regierungsbeamten gnadenlos verfolgt, und die illegal herstellenden Destillateure

 ließen sich viel einfallen, um die Brennblasen und den Whisky vor den

 Steuereintreibern zu verstecken. Erst als 1823 die Alkoholsteuer stark abgesenkt

 wurde, entspannte sich die Situation. Nun konnte im großen Stil legal Whisky

 hergestellt werden.






 Im wahrsten Sinne des Wortes „hoffähig“ wurde der Whisky unter Viktoria, Königin
 von Großbritannien und Irland von 1837 bis 1901. Sie verbrachte viel Zeit in ihrem
 Schloß Balmoral in Schottland und interessierte sich sehr für das Land, die Leute
 und deren Brauchtum. So kam sie unter anderem in den Genuß von Whisky, der
 fortan am Hofe sehr beliebt war. Die in der Nähe des königlichen Schlosses
 Balmoral erbaute Destillerie Lochnagar wurde sogar Königlicher Hoflieferant und
 darf seitdem den Zusatz "Royal" führen. Während vorher eher die Unterschicht
 Whisky getrunken hatte, fand dieser nun auch in gehobenen Kreisen und beim Adel
 große Beachtung.

 

  

 Am 18. Dezember 1917 wurde während der Amtszeit von Woodrow Wilson, des 28. Präsi- denten der USA, das Gesetz der Prohibition (also eines landesweiten Alkoholverbotes) vom 

 US-Kongress verabschiedet - gegen zweimaliges, erfolgloses Veto des Präsidenten. Mehr

 noch: Die Prohibition wurde am 16. Januar 1919 ratifiziert und als 18. Zusatz in die amerika- nische Verfassung aufgenommen. Zu Zeiten der Prohibition blühte der illegale Handel in den

 USA, der von den Syndikaten bzw. der Mafia organisiert wurde. Whisky wurde geschmuggelt,

 schwarzgebrannt oder auf geheimnisvollen Wegen illegal aus dem Ausland eingeführt. Nach

 dem Ende der Prohibition 1933 gelang es vor allem den schottischen Whisky-Herstellern

 schnell Fuß auf dem amerikanischen Markt zu fassen. Die heimische US-Industrie hatte es

 zunächst sehr schwer und spielte jahrelang eine untergeordnete Rolle, bis sie nach dem

 Zweiten Weltkrieg langsam wieder Marktanteile zurückerobern konnte.

 

 

 In den beiden Weltkriegen wurden die schottischen Whisky-Distillerien teilweise

 geschlossen (das Personal wurde zum Kriegsdienst herangezogen) oder

 zweckentfremdet (z. B. für die Herstellung von Minen). Mit Beginn des 2. Weltkrieges

 wurde die Whiskyproduktion untersagt, und die Abgabe von Whisky wurde für den

 britischen Binnenmarkt ab 1940 rationiert. Zum Glück gab es eine größere Menge

 Lagerbestände, um den Bedarf zu decken. Sir Winston Churchill sah aber einen

 wichtigen finanziellen Faktor in der Whisky-Herstellung: Die Alkoholsteuer war eine

 bedeutende Einnahmequelle des Staates. Im Jahr 1944 wurde den Brennereien daher

 gestattet, zu Exportzwecken geringe Mengen zu produzieren. Es wurden oft Frauen als

 Ersatz für die im Krieg kämpfenden, vermissten oder gefallenen Männer eingesetzt.

  


 

 

 Heutzutage wird auf der ganzen Welt Whisky gebrannt: In Schottland und Irland,

 Deutschland und Frankreich, USA und Kanada, Neuseeland, Tasmanien, Japan und

 sogar Indien. Während die Hersteller aber früher weitestgehend eigenständig waren,

 sind die Distillerien heutzutage in der Hand der großen Whiskykonzerne wie z. B. UDV,

 Allied Distillers, Diageo, Whyte & Mackay Group oder Chivas & Glenlivet Group. So
 können wir Single Malt Fans mit Genugtuung feststellen, dass stillgelegte

 Brennereien wieder aktiviert, abgerissene Distillerien wieder aufgebaut wurden und

 Schließungen nicht mehr auf der Tagesordnung der Konzerne stehen. Und nicht mehr

 die Politiker, sondern Whisky-Experten wie Charles McLean, vor allem aber die vielen

 Whisky Fans bestimmen durch ihre Nachfrage nach guten Malts das Geschehen.