Nosing and Tasting   

 

  

    

      

Jeder, der im Besitz eines Malt Whiskies ist und sich dem Mysterium Malt Whisky nähern möchte, fragt sich natürlich, auf welche Weise er das am besten tun sollte. Dazu gehört natürlich in allererster Linie die Bereitschaft, sich viel Zeit zu nehmen, denn: Wie bei einem guten Gespräch eröffnen sich einem die ganzen Aspekte und Nuancen eines Malt erst nach und nach. Und dem Einsteiger sei gesagt: Keine Bange, jeder hat mal bei Null angefangen. Niemand war von Beginn an Experte, die Erfahrung kommt also nicht bereits beim ersten Verkosten, sondern im Laufe der Zeit. Also gilt auch hier, Geduld ist die wichtigste Eigenschaft des Malt Whisky Freundes.

Da zu einem Nosing and Tasting natürlich mehr gehört, haben wir hier die wichtigsten Punkte zusammengestellt. Generell gilt: Es gibt kein richtig oder falsch, keine allgemein gültigen Bestimmungen oder Weisheiten. Wir wollen euch lediglich ein Handwerkszeug mitgeben, damit ihr euren eigenen Weg hin zum Mysterium Malt Whisky finden könnt.

   

1. Whiskygläser

In Filmen trinken die Protagonisten ihren Whisky meist aus dem klassischen Tumbler. Das ist ein relativ niedriges, breites Glas mit dickem, schwerem Boden und großer Öffnung. Das mag cool aussehen, ist aber für unsere Zwecke völlig ungeeignet. Wir verwenden zum Verkosten die Copita, ein spezielles, tulpenförmiges Tasting-Glas.

 

Von Spiegelau gibt es einen Snifter, der aus unserer Sicht hervorragend für die Verkostung geeignet ist.

  Spiegelau-Snifter

   

Den gleichen Zweck erfüllen aber auch z. B. Sherry-, Grappa- oder Obstbrandgläser. Eigenschaften des Glases:

•    Ein relativ bauchiger Körper mit großer Oberfläche, der dem Whisky den Platz zum Entfalten lässt

•    Oben eine schmale Öffnung, die die Aromen zusammenführt und zur Nase hin lenkt

•    Ein langer Stiel und eine runde Bodenplatte, an der man das Glas mit Daumen und Zeigefinger sicher und bequem

     schwenken und halten kann

•    Möglichst ohne Aufdruck und Schliff, damit man die Farbe ohne Lichtreflexe bzw. störende Einflüsse neutral

     beurteilen kann

•    Wer möchte, darf sein Glas mit einem Glasdeckel verschließen, damit die Aromen nicht so schnell entweichen

     können. Ob dies etwas bringt, sei dahingestellt.

Im Fachhandel gibt es die Gläser in entsprechender Auswahl, wobei Preise von ca. 3 – 10 EUR pro Glas realistisch sind. Man kann auch mehr ausgeben; aber wir sind der Meinung, ein preiswertes Glas erfüllt seinen Zweck, und wir investieren unser Geld lieber in den Whiskykauf.  

  

2. Die ersten Schritte  

Nun haben wir das „richtige“ Glas (und natürlich hoffentlich einen hervorragenden Whisky). Also steht einer Verkostung nichts mehr im Weg. Hier vorab ein paar wichtige Grundregeln:  

•    Der Whisky sollte ca. 15° Celsius haben; Zimmertemperatur ist aber auch o. k.

•    Auf keinen Fall Eis verwenden! Kalter Whisky entfaltet sich nicht richtig und lähmt die Geschmacksnerven der Zunge

•    Gleiches gilt für Soda und kohlensäurehaltiges Mineralwasser (zum Thema stilles Wasser später mehr beim

     Thema „Geschmack“)

•    Mund und Nase sollten „neutral“ sein. Wer also vor dem Verkosten scharf, salzig, süß, bitter etc. gegessen bzw.

     getrunken hat, sollte besser abwarten, bis der Geschmack abgeklungen ist (gleiches gilt für den Raucher). Hilfreich

     bei der Neutralisation sind stilles Wasser und ungewürztes Weißbrot. Wer noch Rauch, Raumspray, Blütenduft o. ä.

     in der Nase hat sollte sich auch hier etwas Zeit lassen, bis er mit der Verkostung beginnt. 

Der Malt Whisky sollte frühzeitig eingeschenkt werden. Nach dem Einschenken empfehlen wir, diesen erst mal zur Entfaltung stehen zu lassen - wenn man Zeit hat (und davon gehen wir mal aus), sind ein bis zwei Stunden durchaus denkbar. Gerade bei der Verwendung eines größeren Tastingglases, z. B. dem Snifter von Spiegelau, entwickelt sich eine große Fülle von Aromen, was das Nosing und Tasting bereits zu Beginn zu einem Erlebnis macht. 

Wer diese Regeln einhält, hat schon den ersten Schritt gemacht und darf nun endlich zum wesentlichen Teil des Verkostens übergehen. Wer möchte, darf sich natürlich Notizen über seine Erfahrungen und Eindrücke machen; hilfreich können hierbei ein Tasting-Rad und eine Farbskala sein. Einfache Grafiken zum Ausdruck findet ihr hier.     Und immer wieder: Viel Zeit nehmen! Genießt den Malt Whisky mit allen Sinnen!

  

 3. Farbe und Körper

Ein Malt Whisky ist eine sehr komplexe Kombination aus Farbe, Körper, Duft und Geschmack. Erst im Zusammenspiel dieser Komponenten ergibt sich die Symphonie des perfekten Genusses. Denn: Wer würde beispielsweise Beethovens Fünfte nur mit Blasinstrumenten hören wollen??? Sicherlich niemand!

  

Legen wir los: Zunächst schenken wir eine kleine Menge (~ 1 – 2 cl) in das Tastingglas ein und beginnen mit der Farbe. Man bringt das Glas vorsichtig in eine waagrechte Position und hält es gegen das Licht. Am besten ist natürliches Licht; bei einer künstlichen Lichtquelle sollten es möglichst dem Tageslicht nahe kommende Leuchtkörper sein. Nun können wir uns ein erstes Bild über den Whisky machen.  

Nach der Destillation war der Whisky völlig klar, etwa wie ein Schnaps. Die Farbe bekommt ein Malt Whisky von der langjährigen Lagerung im Faß. Was ist euer erster Eindruck, wie würdet ihr die Farbe definieren? Hier ein paar Nuancen: Helles Stroh, Weißwein, Blassgolden, Sherry, Honig, Bernstein, Blasse Orange, rötlicher Sonnenuntergang.

Über die Farbe ergeben sich bereits erste Hinweise auf die Dauer der Reifung und die Art des verwendeten Fasses bzw. der verwendeten Fässer. Um vergleichen zu können, hilft manchmal auch eine Farbskala zur Einstufung, wie die vom Whisky Magazine:

   

 

 

 

  

Der Körper des Whiskies wird  a u c h  zunächst nach dem Aussehen bewertet. Wenn ihr den Whisky vorsichtig schwenkt, benetzt dieser die Innenwände des Glases. Hält man es nun gegen das Licht, sieht man „Tränen“, die sogenannten "Beine", herunterlaufen. Dabei gilt:

- Ein Whisky mit hohem Alkoholgehalt hat lange Beine

- Wenn die Beine nur langsam verschwinden, lässt das auf bestimmte Öle schließen, die dem Whisky einen volleren

   Körper und damit mehr Geschmack geben.

  

4. Die Nase - Nosing - Das Aroma  

Schwenkt den Whisky erneut vorsichtig, dann benetzt dieser wieder die Innenwände des Glases. Dies ist diesmal notwendig, um eine möglichst große Verdunstungsoberfläche zu erzielen. Denn wir wenden wir uns nun dem Duft, der „Nase“ des Whiskies, zu.

 

Schnuppert, mit etwas Abstand, versuchsweise kurz an der Öffnung des Glases. Atmet dabei nicht zu heftig und tief ein, sondern langsam und vorsichtig. Schließlich wollt ihr ja möglichst viele Aromen aufnehmen. Ein stechender, brennender erster Eindruck weist auf einen sehr kräftigen Malt Whisky hin, was bei den rauchigen und/oder stark getorften Whiskies normal ist. Umso mehr empfiehlt es sich, öfter und mit größerem Abstand den Duft aufzunehmen. Man kann auch mit einer langsam schwenkenden Bewegung das Glas mehrmals unter der Nase vorbei führen.

Dies soll auch als Anregung dienen, denn im Lauf der Zeit werde ihr hier eure eigene Technik entwickeln.

Gerade bei den Abfüllungen in Fassstärke (ca. 50 – 63%) werden die Aromen vom Alkohol etwas in den Hintergrund gedrängt, was man mit etwas Wasser sehr gut kompensieren kann (zum Thema stilles Wasser später mehr beim Thema „Geschmack“). Hier ein paar Duftnoten, die bei einer Zuordnung der Aromen hilfreich sind:

  Apfel – Zitrone – Blumen – Trockenfrüchte – Öl – Malz – Karamell – Holz

Phenol – Würze – Nüsse – Rauch – Medizin – Torf – Harz – Toffee - Sahne

Wer sich Zeit nimmt, wird nach und nach sicherlich diverse Duftnoten entdecken, die nicht zwingend in eine der o. a. Kategorien eingeordnet werden müssen. Entscheidend sind das Erlebnis und die Entdeckung der Vielfalt eines Malt Whiskies. Unterstützung und Hilfe bei der Einordnung sind die Nosing-Wheels, die ihr hier findet. Ein einfaches Beispiel ist dieses:

                                                          

     

5. Tasting – Der Geschmack  

Es gab vor vielen Jahren mal eine Schnapswerbung, deren Slogan lautete „… zum Kippen zu schade!“ Da schließen wir uns an, denn einen Whisky einfach runter zu kippen wäre nicht nur Stilbruch, es wäre Verschwendung. Übrigens: Wie wir schmecken, dazu findet ihr hier ein paar Infos.

  

1. Die Verkostung unverdünnt ( ... in Faßstärke)

Spitzt die Lippen und lasst den Whisky langsam vom Glas in den Mund laufen. Die Menge sollte gerade groß genug sein, um den Malt „greifen“ zu können. Bewegt den Schluck Malt Whisky im Mund hin und her, benutzt die Zunge, um  ihn zu erfühlen, kaut ihn – Hauptsache, alle Geschmacksnerven können an dem Erlebnis teilhaben. Welchen ersten Eindruck habt ihr?

Ein fruchtiges, trockenes, warmes, süßes, brennendes, rauchiges, würziges, salziges Gefühl?

Lasst den Malt nun auch an den hinteren Teil der Zunge gelangen. Was verändert sich, welche neuen Nuancen schmeckt ihr? Was verändert sich gegenüber den ersten Eindrücken?  

Nun, da ihr mit dem Mund die Fülle des Whiskies erfahren durftet, kommt der krönende Abschluß: Schluckt langsam und bedächtig den Malt Whisky.  Was geschieht nun? Das, was wir "Abgang", „Nachklang“ oder „Finish“ nennen und den Gesamteindruck abrundet, macht das Erlebnis erst perfekt. Verändert sich etwas an den Geschmackseindrücken? Werden diese ergänzt?  Ist der Whisky im Nachgang „kurz“, bleibt also nicht lange erhalten, oder hat er ein langes Finish und ist noch einige Zeit präsent? Bei manchen Malt Whiskies hat man noch Stunden später das Gefühl, Aromen im Mund, Gaumen und Rachen zu spüren. 

  

Ein Hinweis: Ist der Whisky im Bourbon-Fass gereift, lassen sich meist Vanille-Noten herausschmecken. Im Sherry-Fass gelagerte Malts haben eher Wein-Aromen zu bieten.  

Erwartet anfänglich nicht zu viel von euch. Lasst euch Zeit! Wenn nach dem Schlucken die Eindrücke langsam abklingen, versuchen wir es gleich noch mal. Hier kommen wir nun zu einer Variante: Der Verwendung von stillem Wasser. Denn: Das Wasser „schließt den Malt auf“.

  

2. Die Verkostung verdünnt ( ... mit stillem Wasser)

In der Regel hat ein Malt Whisky 40 – 43%, manchmal auch 46%, unverdünnt als Cask Strength (in „Fassstärke“) runde 50 – 65%. Der hohe Alkoholgehalt eines Malts in Fassstärke beeinflusst natürlich die Geschmacksnerven im Mundraum, was nicht ideal zum Verkosten ist. Nachdem wir den Whisky also pur genossen haben, beginnen wir von neuem mit unserem Nosing and Tasting.  

Fügt eurem Whisky etwas stilles Wasser zu. Über die Menge scheiden sich die Geister, angefangen mit „ein paar Tropfen“ bis zu einer Verdünnung 50:50. Hier muß jeder selbst herausfinden, was ihm am meisten zusagt. Beginnt aber erst mal mit den „paar Tropfen“; später darf es auch mal mehr sein. Kleiner Tipp: In der Apotheke bekommen ihr eine Tropfpipette aus Kunststoff für unter 1 EUR. Stellt beim Verkosten ein Glas oder einen kleinen Krug mit stillem Wasser bereit, dann könnt ihr mit der Pipette euren Malt Whisky auf das gewünschte Maß verdünnen. Empfehlenswert sind z. B. Volvic oder Evian, die beide relativ geschmacksneutral sind. 

Legt nun los und schwenkt euer Glas: Hat sich an den Duftnoten etwas verändert? Was ist an Geschmacksnuancen neu hinzugekommen? Wenn ihr euch Notizen gemacht habt, könnt ihr diese jetzt sicherlich um weitere Aromen ergänzen. Und gerade hier zeigt sich, wie ungemein komplex ein Malt Whisky ist. Eben nicht nur einfach ein alkoholisches Getränk, sondern eine Symphonie an Düften, Aromen und Eindrücken.  

Ihr habt den Whisky ausgiebig verkostet? Wollt euch dem nächsten zuwenden? Dann solltet ihr diese Tipps nicht außer acht lassen:  

   

•    Verwendet für den nächsten Whisky ein neues Glas

 

•    Oder spült euer Glas mit klarem Wasser gut aus. Schnuppert hinein, ist es geruchsneutral oder riecht man

     noch den Malt? Dann erneut gut ausspülen.

 

•    Öffnet ein Fenster, denn der Whisky kann auch den Raumduft beeinflussen. Atmet am offenen Fenster gut

     durch.

   

•    Trinkt stilles Wasser, schwenkt es ausgiebig im Mund, um auch hier wieder den neutralen Geschmack für den

     neuen Whisky zu haben. Kaut ein einfaches, nicht gewürztes Weißbrot, auch das ist hilfreich.

  

•    Begnügt euch stets mit wenigen Whiskies. Spätestens nach 5 bis 6 Malts trübt der Alkohol massiv eure Sinne

     und eine vernünftige Verkostung ist nicht mehr möglich. Außerdem: Wir sind Genießer, keine Säufer! Beachtet

     diese Hinweise!

 

Außer den Nosing-Wheels kann man als kleinen "Fragebogen" und Leitfaden bei der Verkostung auch Tasting-Notes verwenden, die Ihr z. B. hier herunterladen könnt.

 

Und als Schlusswort: Wie bereits erwähnt, viel Zeit nehmen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, habt daher Geduld mit euch! Und falls ihr Fragen habt, schreibt an:  

ralf [ÄT] single-malt-club [PUNKT ] de   oder    rainer [ÄT] single-malt-club [PUNKT ] de